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Forstbetrieb Sigriswil: Projekt Husegrabe

Schutzwaldpflege an Gerinneeinhängen

Artikel im Thuner Tagblatt vom 18.November 2005

Bäume weg für mehr Sicherheit

Sigriswil fällt in drei Waldstücken absturzgefährdete Bäume. Damit soll verhindert werden, dass Holz bei Unwettern in die Bäche und den Thunersee gerät und Schäden an Brücken, Strassen oder den Schleusen anrichtet.
Welte Seit den Unwettern vom vergangenen August befindet sich der Begriff Schwemmholz im Vokabular eines jeden Thuners. Über Tage hinweg verstopfte das Schwemmholz aus dem Oberland die beiden Thuner Schleusen. Erst eine spektakuläre Zerkleinerungsaktion brachte Entspannung. «Die Bäume stammten zu einem grossen Teil von den Hängen an den Oberländer Bergbächen», sagt Heinz Zimmer, Vorsteher Waldabteilung Thun-Niedersimmental.
«Das Unwetter hat uns leider überholt», sagt er weiter. Das Amt für Wald des Kantons Bern hatte mit den Gemeinden bereits ein Projekt ausgearbeitet, das die Schutzwaldpflege an gefährdeten Hängen regelt. Dieses sieht vor, Bäume zu fällen, damit sie nicht in die Bäche geraten und weggeschwemmt werden.
«Die Unwetter haben gezeigt, dass wir die Gefahren richtig erkannt haben.
Deshalb setzen wir die Schutzmassnahmen jetzt um», führt Zimmer aus.

Sigriswil als Vorreiter

Als eine der ersten Gemeinden in der Region organisiert Sigriswil die gezielten Baumfällaktionen. In einer ersten Phase, die in den kommenden Tagen startet, wird der «Husegrabe» im Bereich des Schulhauses Felden von gefährdeten Bäumen befreit. Insgesamt werden 170 Kubikmeter Holz weichen müssen. «Das ist ein Kahlschlag», gibt Förster Anton Wyss zu. Trotzdem hält er den Entscheid für richtig. «Es geht dar-um, das Gebiet nachhaltig vor Unwetterschäden zu sichern.» Insbesondere denkt Wyss dabei an die Seestrasse am Thunersee. Weiter sollen mit der Aktion die Folgekosten nach Unwettern gesenkt werden. Ein Beispiel: Sigriswil hat 1999 rund 540 000 Franken investiert, um Holz aus den Gräben zu holen. Die-ser Betrag waren nur mit rund einem Drittel durch den Kanton subventioniert.

Drei Bäche im Visier

Neben dem «Husegrabe» wird sich der Förster mit seiner Equipe auch dem Guntenbach im Bereich Gra-benmühle und dem Oertlibach annehmen. Bis im Frühling sollten alle drei Waldstücke bereinigt sein. In den nächsten Jahren wird es weitere Baumfällaktionen geben. Insgesamt hat Sigriswil ein Grabensystem mit einer Länge von 130 Kilometer zu unterhalten.
Keine Probleme gab es mit den betroffenen Waldbesitzern. Die Gemeinde hat mit ihnen eine Vereinba-rung abgeschlossen. «Wir fällen die Bäume und ziehen sie aus den Hängen. Für den Abtransport sind die Besitzer zuständig», sagt Anton Wyss.

Kosten werden geteilt

Die Aufwendungen für die Baumfällaktionen werden zwischen Bund, Kanton und Gemeinde aufgeteilt. Den grössten Anteil hat dabei die Gemeinde zu tragen.

Sigriswil muss für 52 Prozent der Kosten aufkommen. Der Bund subventioniert das Vorhaben mit 42 Pro-zent, die restlichen sechs Prozent gehen zu Lasten des Kantons. Für den Abschnitt im «Husegrabe» wird mit rund 17 000 Franken gerechnet, für die beiden anderen Projekte im Gunten- respektive im Oertlibach fehlt noch ein Kostenvoranschlag.